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Warum 2°C? - Die 2-Grad-Leitplanke

Am Ende der zweiwöchigen Verhandlungen der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen steht eine Erklärung („Copenhagen Accord“), in der erstmals gemeinsam die wissenschaftlich untermauerte Notwendigkeit anerkannt wird, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen.

Der WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) hat bereits 1995 vorgeschlagen, die globale Erwärmung auf höchstens 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und die Rate der Erwärmung auf 0,2 °C pro Jahrzehnt, um eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern (WBGU, 1995, 2006, 2008). Der WGBU hat diese 2-Grad-Leitplanke wissenschaftlich bewertet und politisch initiiert. Nach Deutschland hat auch die EU die Leitplanke zur Richtschnur ihrer Klimapolitik gemacht.

Allerdings kann auch die Erwärmung um 2 °C nicht als "sicher" gelten, sondern auch ein Klimawandel diesseits der 2°C-Leitplanke kann hohe Risiken bergen. Die 2 Grad haben aber durchaus einen realen Hintergrund. Die negativen Folgen eines höheren Anstiegs würden die Menschheit vor beispiellose Herausforderungen stellen, etwa einen kaum zu bremsenden Meeresspiegelanstieg von mehreren Metern, der wahrscheinlich dazu führt, dass viele Inselstaaten und dicht besiedelte Küstenregionen unbewohnbar werden. Bei fortschreitender globaler Erwärmung über 2°C droht ein weiter beschleunigter Verlust von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen, da in vielen Weltgegenden klimatische Bedingungen erreicht werden, die es seit vielen Tausenden Jahren nicht gegeben hat. Dieses würde die Anpassungs- und Regenrationsfähigkeit der Natur überfordern. Besonders gefährdet sind z.B. Korallenriffe.
Gleichzeitig haben ökonomische Berechnungen ergeben, dass die Einhaltung dieses Wertes mit einem Anteil von 2-3% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen wäre (Deutschland hat z.B. bei der Wiedervereinigung über mehrere Jahre 5% seines BIP in die neuen Bundesländer geleitet). Höhere Anpassungskosten dürften eine empfindliche Störung des zivilisatorischen Systems bewirken (WBGU, 1995, Stellungnahme zur ersten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention in Berlin)

Die 2-Grad-Leitplanke ist keine physikalisch exakt ableitbare Grenze, sondern eine normative Festlegung. Es ist der Versuch, das Ziel der Klimarahmenkonvention (§ 2), eine "gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern", so festzulegen, dass politisch nachvollziehbare und gegebenenfalls sanktionierbare Maßnahmen getroffen werden können. Ob aber auch 1,5 Grad schon zu viel sind, oder auch 2,5 Grad noch erträglich wären, weiß niemand präzise zu sagen. Allerdings muss, um dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen, heute schon gehandelt werden. Denn immer mehr Studien zeigen, dass eine Welt jenseits der 2 °C-Leitplanke unsere im klimastabilen Holozän (jetzige Warmzeit) gewachsene Zivilisation vor beispiellose Herausforderungen stellen würde.

Ist die Leitplanke allgemein akzeptiert, können in einem nächsten Schritt Modellrechnungen durchgeführt und politische Absprachen getroffen werden, wie viel CO2 noch emittiert werden kann und mit welchem Schlüssel sich diese Menge auf die einzelnen Länder verteilt (WBGU-Budget-Ansatz, siehe www.wbgu.de).

Factsheet WGBU: Warum 2°C? (PDF)


 
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